Monthly Archive for März, 2009

Die Welt und ich (20): Zwanzig.

Man glaubt es kaum, wie die Zeit vergeht. Jetzt schreibe ich diese Verhöhnung einer Wochenrückschau schon zum zwanzigsten Mal - da muss ich gleich persönlich anfangen. Und zwar, indem ich bekanntgebe, dass ich meine Blog-Blockade wohl überwunden habe, es schreibt sich recht leicht, ich musste mich zwingen, diese Woche nicht mehr zu schreiben, um mich der wichtigen Aufgabe, die mir bevorsteht zu widmen.

“Zwanzig” ist natürlich ein dummer Titel, insbesondere wenn der folgende Text keinerlei Bezug darauf nimmt - aber ich beabsichtige es nicht.

Ist nämlich einfach Folge 20. Und ansonsten inhaltsleer, da ich nicht die Zeit oder Muße habe, noch mehr zu schreiben.

Hinweisen will ich nur noch auf den m.E. bemerkenswerten Rücktritt des Wirtschaftsministers des nördlichsten, deutschen Bundeslandes - in dem ich zufällig lebe. Ich zitiere:

„Ich kann die Maßnahmen zur Sanierung der HSH Nordbank nicht länger mittragen, da sie auch in der Öffentlichkeit und in der Wirtschaft nicht vermittelbar sind“

– Marnette laut Reuters / Focus Online

Auch sonst sehr interessant, sollte man lesen. Ich kann den Schritt jedenfalls nachvollziehen, auch wenn man böszüngig sagen könnte: “Die Ratten verlassen das sinkende Schiff.”

Bis nächsten Sonntag.

Ossifizierung des Westens

Eher zufällig bin ich auf diesen Artikel Maxim Billers in der FAZ gestoßen, der von einer Ossifizierung des Westens spricht.

Ich stimme dem Artikel nicht in jeder Hinsicht zu,1 aber was der Artikel u.A. liefert, ist eine Erklärung für den Untertanismus der Deutschen, für mich ohne Frage tödliches Gift für eine wahre Demokratie: Mangelnde Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit. Wer jetzt meint: “Untertanismus, seh ich nicht so, kenn ich nicht”, der höre nur einmal genauer hin, was seine Mitmenschen und Mitbürger so reden, wenn der Tag lang ist. Wenn einmal die Wendung “die da Oben” fällt, dann ist das ein Fall von Untertanismus, wie ich es nenne. Man könnte es auch Unterwerfungslust nennen, aber das wäre in vielen Fällen wohl nicht so treffend.

Aber zurück zur Aufarbeitung jener Vergangenheit: Es ist dazu noch nicht zu spät. Zwischen 1945 und 1968 lagen auch 23 Jahre und die sind seit 1989 noch nicht vergangen. Da kann noch eine Welle kommen. Da muss noch eine Welle kommen. Wird da noch eine Welle kommen?
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  1. Ich teile den Kommunistenhass nur partiell, und den Ossivampirismus stelle ich in Frage… ;)

Fernsehen

Frei ist nur der, der tun kann, was er soll.

– Theo Waigel bei Beckmann. Ist mehr oder weniger “live”.

Jetzt das, was ich eigentlich schreiben wollte:

Eben Fernsehprogramm geöffnet. Dann im Netz geschaut, was wo kommt. Gewundert, dass bei ZDF nicht Kerner stand. Hätte wirklich gedacht, Kerner zu gucken und nicht Beckmann. Beides der gleiche Schrott.. ;)

Beobachtungen zur Bundeskanzlerin

[Ein Resultat des Konsums der heutigen ARD-Sendung "Anne Will".]

Frau Dr. Merkel ist, da werde ich wohl offene Türen einrennen, eine Technokratin. Das hat jetzt nichts mit der Musikrichtung zu tun, sondern mit einem gewissen Mangel an Vermittlung der Gründe, wegen derer man so oder anders handelt, der vielleicht durch eine Qualität im Finden von Problemlösungen ausgeglichen wird.

Das ist nicht sehr populär, aber an sich keine Schwäche. Aber es führt zu Problemen, wenn quergeschossen wird. Und das geschieht, da es in der Politik um Macht geht (und Macht nun mal süchtig macht, wie jede andere Droge), nicht nur in der CDU. Wenn Frau Dr. Merkel sagt, dass die CDU konservativ, christlich-sozial und liberal ist, dann hat sie damit Recht und es zeigt, dass diese Partei genau wie die SPD (wenn nicht noch mehr) das Potential zu einem Hühnerhaufen hat.

Und da ist die Frage, inwiefern nur lächeln da hilft. Es mag an der Basta-Politik ihres Vorgängers legen, das man das nicht so ganz glauben will.

Aber warten wir ab bis zur Wahl. Ich rechne ja trotz Allem mit einer Regierung der sogenannten “bürgerlichen Mitte”.

Die Welt und ich (19): Notizenberge

Wieder ist eine Woche vergangen, es war eine intensive Woche, voller Kultur und Bildung. Bildung ist jetzt nicht nur theatralisch gemeint, nein, ich darf mich nochmals für eine Klausur vorbereiten. Und da es um Alles geht, will ich auch Alles geben.

Was natürlich schmerzhaft ist. Für Selbstdisziplin musste ich mir, barsch gesagt, schon immer in den Arsch treten, und momentan tu ich das jeden Tag mit Anlauf, so dass ich kaum noch sitzen kann. Aber dann lerne ich eben stehend weiter, was soll’s.
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Don Carlos

Kieler Opernhaus

Wieder einmal die direkt im Kieler Opernhaus und auf dem Rückweg gemachten Notizen zu “Don Carlos” von Guiseppe Verdi.

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Bunbury: Impressionen

Ohne viel Zeit zu verlieren, denn meine Matratze ruft mich minütlich lauter, hier die unveränderten Notizen, die ich mir heute machte, während ich Oscar Wildes Stück “Bunbury”1 im Schauspielhaus Kiel sah.
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Die Welt und ich (18): Ein Versuch.

Es ist Sonntag, und ich sehe eigentlich noch gar keinen Bedarf wieder eine Folge “Die Welt und ich” zu schreiben.

Ich will es aber trotzdem tun, auf die gleiche Weise, wie ich es oft an anderer Stelle tu: Ich schreibe los, ohne nachzudenken. Ein Satz, noch einer. Figuren bilden sich heraus, entstehen von selbst, manchmal frage ich mich, ob ich nicht schneller schreibe als denke.

Also, los geht´s. Fangen wir an. Stichwort Nr. 1: Moral.

Ein problematisches Thema, mit dem ich mich seit langem beschäftige, mal mehr, mal weniger intensiv. Welches ich nicht mehr so gern benutze, da es meiner Ansicht viel zu oft von intoleranten Idioten verhunzt wird, einfach nur dadurch, dass sie es verwenden. Aber dennoch ist es wichtig, dieses Thema immer mal wieder anzusprechen, genau wie das Thema Werte: Man darf diese Themen nicht einzig und allein den Konservativen überlassen, die teilweise immer noch glauben (oder zumindest vorgeben zu glauben) dass es da feste Rahmen gäbe und nur eine Lösung. Nur ein Wertekorsett, nur eine Moral.

Dem ist nämlich m.E. nicht so. Nicht nur, dass immer im Einzelfall beurteilt werden muss (auch wenn das länger dauert, klar).. ach, ich will mich nicht in Theorie verheddern. Worum es geht ist folgendes: Es ist zu hinterfragen, inwiefern sich die Mediengesellschaft mit ihrem immanenten, impertinenten Voyeurismus nicht mal ein wenig zurück nehmen sollte. Ja, nicht nur die brutalen Computerspiele sind das Problem - auch wenn Sie gut gern ein Teil des Problems sein mögen, sogar ziemlich sicher sind. Es ist auch die Meute von ausgehungerten Kampfhunden, die sich gern auch Sensationsjournalismus schimpft. Es ist auch der Leistungsdruck, der das Leben inhuman zu machen droht: Der Mensch ist keine Maschine und die Menschmaschine ist nicht wünschenswert. Der Wachstumswahn!

Man könnte diese Kette fortsetzen, aber ich denke, es ist klar, worauf ich aus bin.


Und wenn ich ehrlich bin, möchte ich dieses Experiment jetzt beenden und allseits eine schöne, hoffentlich amokfreie Woche wünschen.

Winnenden und die Medien

Wenn ich vor einer Woche eine solche Überschrift gewählt hätte, hätte sie wohl niemand verstanden.

Und damit sind wir einem Problem, welches man, wenn man über jenen Amoklauf diskutiert, nicht außer Acht lassen sollte oder sogar nicht außer Acht lassen darf.

Denn bei einem Amokläufer hat man es wohl - so zumindest der Tenor der laufenden Debatte - mit einer sich nicht akzeptiert, sich vereinsamt, missverstanden fühlenden Person zu tun. Ganz zu schweigen davon, dass es an Aufmerksamkeit mangelt - zumindest aus Sicht jener Person, die dann das Fatale tut.

Wenn dann aber die Tat geschehen ist und es wenigstens ein paar Verletzte gibt, am Besten sogar Tote, dann kommt die Person ins Rampenlicht - nicht dass Sie das noch Erleben würde, aber man kann davon ausgehen, dass dieses Amokläufern im vorhinein bewusst ist - und vielleicht sogar einer der Hauptgründe für jenen, aus Sicht des “homicide suicide“-Begehenden “krönenden Lebensabschluss” ist.

Einmal berühmt! Einmal nicht nur als Versager angesehen werden!

Überhaupt muss sich unsere Gesellschaft die Frage stellen, ob sie ihre mediale Aufmerksamkeit so verteilen sollte: Die Sensationsgier ist unglaublich. Es scheint fast eine Frage der Zeit zu sein, bis brutale Gewalttaten als PR-Instrument eingesetzt werden: Was bewegt einen sonst noch? Kommt es ohne dieses noch zu Debatten über Themen wie Werte, Erwachsenwerden, Schule, Waffen?

(Für eine wirkliche Behandlung des Themas möchte ich zum Herrn grau verweisen.)

Die Welt und ich (17): Zeit für Stille.

Ich muss mich mal wieder entschuldigen für meine allgemeine Schweigsamkeit in schriftlicher Form, die in diesem Blog immer wieder ihren traurigen Ausdruck findet:Ich kann mich noch nicht mal überwinden, in einer losen Regelmäßigkeit einmal pro Woche zu schreiben. Ich bringe es nicht über mich. Ich sitze noch nicht mal mehr vor einem leeren Eingabefeld und suche nach Themen. Nein, ich habe Themen. Aber ich habe keine Lust, “Rauschen am Fliessband” zu produzieren. Ich will mich möglichst klar zu Themen ausdrücken, möglichst durchdacht - und wenn ich es dann über mich bringe, zu schreiben und dann auch noch das geschriebene hier zu veröffentlichen, dann ist es doch zumeist dennoch nicht so, dass ich damit zufrieden wäre. Nicht, dass ich unter die absoluten Perfektionisten gegangen wäre.

Es ist vielmehr so: Wenn ich früher eine News gelesen habe, sagen wir über eine neue Version einer Linux-Distribution, die ich mal irgendwann zuvor ausprobiert habe, dann habe ich darüber ein paar Zeilen geschrieben, vielleicht noch ein verwendbares Bild dazugesetzt und zack, “Publish!”. Aber jetzt? Ich lese es und denke: Nun ja, aha. Aber ist das relevant? Ist das interessant? Habe ich dazu außer Allgemeinplätzen irgendetwas kundzutun? Und meine Antwort ist fast immer: Nein.
Oder sagen wir ich finde eine neue Band, also eine Band, die für mich neu ist. Dann hätte ich früher einfach ein paar Zeilen zusammengetippt, und zack, Blogpost. Aber jetzt? Zuletzt nahm ich mir kaum Zeit zum finden von Musik und selbst wenn, dann wird daraus meistens kein Blogpost. Ich denke nur noch: Hm, schön. Hörst du mal weiter rein, schaust, was es so auf YouTube dazu gibt. Das Eingabefeld aber ist nicht mehr so nah, wie es einmal war.

Nur woran liegt das? Liegt es daran, dass verwendete Blogsoftware immer fetter geworden ist? Vielleicht, teilweise fehlt es mir da an “simplicity”, ich will nur mal kurz erwähnen, dass sich die Software etwa in einem Opera 9.5 unter Windows Mobile schnarchlangsam anfühlt, da sehr stark mit DOM und JavaScript gearbeitet wird - mit bezweifelnswertem Mehrwert für den Nutzer. Aber es ist natürlich nicht nur WordPress, es ist auch eine Änderung in meinem persönlichen Verhalten, glaube ich. Für diese Kolumne kann ich mich aufraffen zu schreiben (manchmal macht es sogar Spaß), für mein realitätsfernes “kreatives Schreiben”-Blog macht es wirklich Spaß hin- und wieder mal in die Tasten zu hauen, auch wenn es fast keiner liest, was wohl daran liegt, dass ich mich bei jenem Blog überhaupt nicht um Vermarktung kümmere, sondern nur semiautistisch für mich hin schreibe, ohne die große weite Welt zu beachten. Ähnliches gilt für mein Tech-Blog (auf dem ich über die CeBIT geschrieben habe, was ich eigentlich auch hier tun wollte), welches ich an dieser Stelle auch nicht verlinke da ich keine Lust habe, mir dazu Kommentare aus meinem privaten Umfeld anzuhören.

Ja, das ist vielleicht sowieso ein Recht entscheidender Punkt, der mich hindert, vielleicht sollte ich das hier an einem anderen Ort fortführen - ich habe in der letzten Zeit bereits mehrfach darüber nachgedacht - ich hoffe, “Damoklesschwert”, dass du es mir nicht übelnimmst, wenn ich dich nicht beim Namen nenne, aber eins will ich dir sagen: Ich habe dich satt!

Aber lassen wir dieses Thema und gehen wir zum Thema des gestrigen und vermutlich auch heutigen Tages über, zu dem ich früher mit Leichtigkeit zwei bis drei “Artikel” rausgehauen hätte, voll mit Links quer durch Kleinbloggersdorf und dabei vermutlich ziemlich altklug. Aber jetzt sitze ich hier und frage mich, was man zu so einem Amoklauf, wie er in einer Kleinstadt in Baden-Württemberg, deren Name meinem Gedächtnis zum Opfer gefallen ist, geschah, sagen kann. Sagen darf. Sagen muss.
Ich hätte vielleicht geschrieben: “Es stimmt. Man kann wirklich alles außer hochdeutsch in Baden-Württemberg” - wenn ich einen makaberen Tag erwischt gehabt hätte. Ich hätte in jedem Fall versucht, meine Betroffenheit auszudrücken. Ein kleines bisschen Medienschelte? Immer gern.

So aber kann ich nur sagen: Es tut mir Leid für alle, die persönlich Betroffen sind - insbesondere Angehörigen von Opfern und Täter. Mein Mitleid ist bei ihnen und ich hoffe, dass sie eines Tages sich ihres Lebens wieder freuen können. Und ich will denen, die sich nun fürchten, auf die Straße herauszutreten sagen: Fürchtet euch nicht!

Ja, ich will mir in diesem Fall die vielleicht berechtigte Medienschelte schenken. Ich will mich gar nicht weiter mit dem Thema Amok auseinandersetzen. Es ist nicht meins und ich kann und will die Beweggründe nicht verstehen.

Eine weitere Veränderung: Ich versuche nicht mehr, mich mit allen Themen die mich am Rande ein wenig interessieren, zu beschäftigen.

Denn was bleibt ist doch nur Leere und Stille.